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Konvention und Realität. Über die Raumkonstruktion fotografischer Apparate (2012)

Fotografie und Raum erscheinen zunächst als ein Begriffspaar, das nicht zwangsläufig miteinander in Beziehung gesetzt wird. Die Fotografie gilt als das Medium mit der direktesten Verbindung zur Realität, und dabei ist sie in ihrem Bildergebnis völlig flach und zweidimensional. Der Realraum hingegen, aus dem die Fotografie ihre Bilder schöpft, ist in seiner Konstitution nicht unstrittig, und hat eine lange Karriere hinter sich, die der Idee einer simplen Ansammlung von Objekten über den leeren Containerraum bis hin zum Raum der Lage- und Eigenschaftsrelationen reicht.

Es scheint so, als handelte es sich um eine ziemlich einseitige Beziehung: Phänomene im Realraum werden von der Fotografie aufgenommen und auf einer zweidimensionalen Fläche in Bilder überführt. Und in der Tat ist dies die geläufigste Deutung. Ausstellungen die mit dem Begriffspaar „Raum/Fotografie“ als Leitmotiv kuratiert werden, nehmen sich vordergründig der fotografischen Aufzeichnung des Sozialraumes an. Sei dies der bebaute Raum der Stadt, der Raum im Krisen- oder Kriegsgebiet oder der Innenraum.

Das Verhältnis wirkt auf den ersten Blick willkürlich und unterscheidet sich nicht vom Verhältnis „Fotografie und Mensch“ oder „Fotografie und Landschaft“. Warum also die Beschäftigung mit diesem Thema? Es scheint als gäbe es eine unsichtbare Verbindung zwischen räumlichen Phänomenen und dem Medium der Fotografie. Als würden die definitorischen Probleme des Realraums ihre Entsprechung in der Fotografie finden. In der folgenden explorativen Arbeit versuche ich die Einseitigkeit des Verhältnisses zwischen Fotografie und Raum zu durchbrechen, und begebe ich mich auf die Suche nach dem unmittelbaren Verhältnis der Fotografie zum Raum. Dabei versuche ich zu bestimmen wie sich dieses Verhältnis auf die Bestimmung der Fotografie als Medium einerseits und als künstlerische Gattung andererseits auswirkt. Und ob die Fotografie sogar etwas über unser Verständnis vom Realraum aussagen kann.

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