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Kritik des Dokuments.
zu Martha Rosler: In, around and Afterthoughts (On Documentary Photography)
(2013)

Seit dem sich in den frühen 2000ern die digitale Fotografie sowohl im professionellen Segment als auch bei den Endverbrauchern durchgesetzt hat, scheint die Frage nach dem dokumentarischen Wert von Fotografien klar beantwortet zu sein. Mit der leichten Manipulationsmöglichkeit von digitalen Bilddaten, ist der Fotografie im Grunde nicht mehr über den Weg zu trauen. Zwar werden Bilder mit dokumentarischem Anspruch (fast alle Nachrichtenbilder haben diesen) weiterhin angefertigt und verbreitet, aber dass der Wahrheitsgehalt dieser jederzeit in Zweifel gezogen werden kann, ist beinahe Allgemeinwissen. Gewiss hätte auch schon die analoge Fotografie dem Verdacht der Manipulation nicht standgehalten, doch kam es in den 1970er und 1980er Jahren zu Kritik aus einer anderen Ecke. Kritik, die sich nicht mit den technischen Aspekten, sondern mit den historischen Diskursen der Entstehung und Verwendung von dokumentarischen Fotografien beschäftigte.

In den 1970ern hatte sich um Martha Rosler und Allan Sekula eine junge Künstlergruppe gebildet (San Diego Group), deren Mitglieder besonders von ästhetischen Phänomenen des Alltäglichen Fasziniert waren. Bei der Erkundung dieser Phänomene kam der Fotografie eine Schlüsselstellung zu. Obwohl Fotografie seinerzeit bereits in Galerien und Museen ausgestellt wurde, war Wissen über das Medium und seine Geschichte noch nicht sehr verbreitet. Die Mitglieder der San Diego Group waren die ersten, die sich tiefer gehend mit den historischtheoretischen Aspekten der Fotografie beschäftigten und ihr eigenes künstlerisches Arbeiten darin fundierten. Martha Rosler publizierte 1981 eine Buch mit dem Titel Three Works. In diesem finden sich der Dokumentarismus kritische Essay In, Around, and Afterthoughts (On Documentary Photography) und eine künstlerische Annäherung an das Thema, The Bowery in two inadequate descriptive systems (1974/75). Mit der Kombination dieser beiden Arbeiten beabsichtigte Rosler nichts Anderes, als die Neuerfindung der Dokumentarfotografie. Ob ihr dies gelang, sei dahin gestellt, und eine Beantwortung dieser Frage will dieser Aufsatz auch nicht leisten. Mit ihrem Essay gelang es ihr aber die Parameter zur kritischen Analyse der bestehenden Dokumentarfotografie zu setzen.

(…)

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