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Kunstkritik am Ende? (2017)

Ausgangspunkt für diese Arbeit war das Bedürfnis eine Theoriearbeit zu verfassen, die sich an einer praktischen, alltagstauglichen Tätigkeit orientiert und dieser sogar entspricht. Also eine Übersetzung des Hochschulcurriculums in etwas, was auch ausserhalb des Hochschulkontextes bestand hat. Eine naheliegende literarische oder besser journalistische Gattung für Studierende der Gestaltung ist da die Kunstkritik.

Ursprünglich wollte ich ausgerüstet mit Ratgeberliteratur zum Schreiben von Kunstkritiken (ja, die gibt es tatsächlich) Ausstellungen und Kunstevents besuchen und diese kritisch besprechen. Dazu kam es nicht. Denn flankierend zog ich Texte heran, die sich mit der Entwicklung der Kunstkritik der letzten Jahrzehnte auseinandersetzen. Ich tat dies in der Absicht meine eigenen Kritikversuche zu schmücken und das Unterfangen insgesamt theoretisch zu fundieren. Was sich vor mit auftat, war ein große Leerstelle, wo ich die Kunstkritik vermutet hatte. Sie existierte und existiert in dieser Form nicht mehr. Obwohl Zeitungen und Zeitschriften nach wie vor eifrig über Kunst berichten, hatten mich die Kunsthistoriker eines Besseren belehrt und mein ursprüngliches Unterfangen sinnlos erscheinen lassen. Stattdessen setzt sich die vorliegende Arbeit nun mit dieser Transformation auseinander, die zu dem Verschwinden der Kunstkritik geführt hat. Es handelt vom offenen Kunstwerk, dem Kunstmarkt und persönlichen Beziehungen der Akteure. Am Ende steht das hier schon vorweggenommene Fazit, dass die Kritik sich überlebt hat und ihre Legitimation verloren hat. Aber klar ist auch, dass über Kunst geredet und geschrieben wird, und dass dies auch in der Zukunft geschehen wird. Deshalb widme ich mich am Ende der Frage, wie die Zukunft der Kritik aussehen kann. Ob man sie dann noch so nennen mag oder nicht.

Meine These lautet, dass die Kritik nur in zwei Formen bestand haben kann oder als eine solche novelliert werden kann. Zum einen, im engeren Sinne, als Institutionenkritik die die Kunst in ihrem Feld und in ihrem Beziehungsgeflecht untersucht. Und zu anderen, im weiteren Sinne, als eine Kritik, die selbst zu Kunst wird. Eine Kritik, die Kunst und Kultur als Anstoß für eigenes Schaffen nimmt, die an ihren Einflüssen weiterspinnt und sich eventuell sogar von ihnen entfernt, bis sie nicht mehr kenntlich sind.

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